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Honigverkostung zu Hause: so lernst du die Sorten kennen
Stellst du drei, vier Sortenhonige nebeneinander, wirst du staunen, wie verschieden sie sind: der eine blumig und zart, der andere herb und holzig. Für die Honigverkostung gibt es eine fachliche Methode. In Italien werden Sachverständige für die sensorische Honigprüfung seit 1999 in ein nationales Register eingetragen, in Ungarn beschreibt seit 2017 eine Norm die sensorische Prüfung von Honig. Für einen Abend mit Freunden reicht das allemal.
Was du brauchst
Die Vorbereitung ist einfach:
- Drei bis fünf verschiedene Honige, zum Beispiel Akazienhonig, Rapshonig, Seidenpflanzenhonig, Blütenhonig und Kastanienhonig.
- Pro Honig ein Weinglas mit Stiel und ein kleiner Teller zum Abdecken. Bei der fachlichen Verkostung kommen etwa 40 Gramm Honig in ein Glas.
- Pro Honig ein eigener Kostlöffel.
- Wasser, ein paar Spalten säuerlicher Apfel und neutrales Brot für zwischendurch.
- Die Honige sollten Zimmertemperatur haben (18–25 °C), wie bei der fachlichen Verkostung.
So verkostest du: Farbe, Duft, Geschmack, Nachgeschmack
Die von der Internationalen Honigkommission (IHC) beschriebene Methode hat vier Schritte:
- Anschauen. Die Farbe ist die einzige sichtbare Eigenschaft, die auf die Herkunft des Honigs hinweist. Die Skala reicht von wasserhell bis dunkel bernsteinfarben: Akazienhonig ist sehr hell, Kastanienhonig dunkel mit rötlichem Ton.
- Riechen. Rühr den Honig im Glas um, heb den Teller ab und riech am gesammelten Duft.
- Kosten. Lass ein, zwei Gramm – eine Kaffeelöffelspitze – auf der Zunge zergehen. Achte auf Süße, Säure und Bitterkeit, dann auf das Aroma, das vom Mund in die Nase steigt.
- Den Nachgeschmack beobachten. Bei manchen Honigen ist der Geschmack nach einer halben Minute weg, bei anderen hält er länger als fünf Minuten an.
Zwischen den Proben
Warte zwischen zwei Honigen ein paar Minuten, spül mit Wasser nach und iss einen Bissen Apfel oder Brot. Beginne am besten mit den hellen, milderen Honigen und arbeite dich zu den dunklen, kräftigen Sorten vor, denn helle Honige sind meist milder, dunkle kräftiger.
Ist einer der Honige kristallisiert, macht das nichts – im Gegenteil: Die feinen Kristalle des cremigen Rapshonigs geben beim Schmelzen ein angenehm kühlendes Gefühl auf der Zunge. Willst du ihn trotzdem flüssig verkosten, so wird er wieder flüssig.
Was du in den einzelnen Sorten schmecken kannst
Nach den fachlichen Beschreibungen europäischer Sortenhonige:
- Akazienhonig: sehr hell, zarter, blumig-fruchtiger Duft. Süß, kaum sauer, ohne Bitterkeit, mit kurzem Nachgeschmack.
- Rapshonig: hell, kristallisiert rasch zu sehr feinen, weißlichen Kristallen. Mittelsüß, kurzer Nachgeschmack.
- Seidenpflanzenhonig: in der Farbe ähnlich hell wie Akazienhonig, enthält aber laut einer ungarischen Doktorarbeit von den meisten Aromastoffen mehr als dieser – deshalb duftet er reicher.
- Blütenhonig: Keiner gleicht dem anderen, sein Geschmack hängt davon ab, was geblüht hat, deshalb ist er jedes Jahr anders.
- Kastanienhonig: dunkel, rötlich, kräftiger, holziger Duft. Wenig süß, deutlich herb, mit langem, leicht adstringierendem Nachgeschmack.
- Waldhonig und andere Honigtauhonige: dunkel und dickflüssig, holziger, warmer Duft, weniger süß als Blütenhonige.
Was passt wozu? Honig und Käse
Die Grundregel des italienischen Honig-Fachverbands: Zu süßem, mildem Honig passt kräftiger, pikanter Käse, zu herbem Honig milderer Käse.
- Akazienhonig gleicht den salzig-pikanten Geschmack von Blauschimmelkäse wie Gorgonzola aus.
- Kastanienhonig passt zu halbreifem Käse; sehr jungen Käse übertönt er.
- Blütenhonig passt zu gereiftem Ziegen- und Schafkäse – probier den gebackenen Ziegenkäse mit Walnusshonig.
- Honigtauhonig passt zu geräuchertem und gereiftem Käse.
Ungarische Honige vor der Jury
In Gyula in Ostungarn wird jedes Jahr der Wettbewerb „Ausgezeichneter ungarischer Honig des Jahres“ ausgetragen, veranstaltet vom Imkerverein des Komitats Békés und dem Ungarischen Landesimkerverband (OMME). 2024 nahmen 162 Imkerinnen und Imker mit 489 Proben teil. Die Jury bewertet zuerst sensorisch – Reinheit, sortentypische Farbe und Duft, sauberer Geschmack und Harmonie –, dann werden im Labor Wassergehalt, Pollen und eine mögliche Überhitzung geprüft. Dieselben Punkte kannst du zu Hause selbst ausprobieren. Woher die Sorten kommen, liest du im Sortenhonig-Überblick.
Unsere Honige, um die es ging
Rezepte zum Thema
Begriffe aus dem Glossar
Quellen
- Piana u. a., Apidologie (2004) – sensorische Analyse von Honig (IHC-Anhang)
- Persano Oddo und Piro, Apidologie (2004) – Beschreibung europäischer Sortenhonige
- Dissertation Zsuzsanna Kasperné Szél (Corvinus) – Aromastoffe des Seidenpflanzenhonigs
- NAK – neue Normen für sensorische Prüfungen (MSZ 157:2017, ungarisch)
- Albo Nazionale degli Esperti in Analisi Sensoriale del Miele
- USDA – Farbklassen von Honig (Pfund-Skala)
- Dolce Come Miele – Honig und Käse kombinieren
- Gyulai Hírlap – Ausgezeichneter ungarischer Honig des Jahres 2024 (ungarisch)
- Behir – Bewertungskriterien des Honigwettbewerbs in Gyula (ungarisch)
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Akazienhonig
Rapshonig
Seidenpflanzenhonig
Kastanienhonig
Waldhonig (Nadelwald)