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    Honig zu Weihnachten in Ungarn: Honigoblaten, Mohn-Guba und Lebkuchen

    Weihnachten begann in Ungarn früher vielerorts mit Honig. Laut volkskundlichen Quellen bekam beim Abendessen am Heiligen Abend die Oblate den ersten Platz, oft mit Honig; die Mohnspeisen der Fastenzeit wurden mit Honig gesüßt, und an den Christbaum kam Lebkuchen. Wir haben gesammelt, was das Ungarische Volkskundelexikon und volkskundliche Sammlungen darüber bewahren.

    Honigoblaten zu Beginn des Heiligen Abends

    In katholischen Familien wurde am 24. Dezember den ganzen Tag gefastet, das Abendessen begann nach dem Abendläuten. Laut dem Ungarischen Volkskundelexikon bekam unter den Speisen die Oblate den ersten Platz, und vielerorts begann das Essen mit einer Honigoblate. Meist aß man sie mit Honig, Pfeffer und Knoblauch. Im Dorf Pereszlény an der Eipel kamen 21 Gänge auf den Tisch, darunter Oblaten, Honig und Mohn-Guba; in Vicsápapáti brachte der Hausherr Honig, Nüsse und Äpfel in einem Sieb herein und für jedes Familienmitglied eine Oblate.

    Um 1900 standen diese Speisen – Honig, Knoblauch, Äpfel, Nüsse, oft Oblaten – vor allem im damaligen Oberungarn und in der südlichen Tiefebene gemeinsam auf dem Tisch. In reformierten Dörfern gab es dagegen kein Fastenessen, sondern eher Bohnen, Linsen oder Krautsuppe mit Wurst.

    Die Oblaten backte vielerorts der Kantorlehrer, und die Kinder trugen sie von Haus zu Haus. Dieses Oblatentragen ist schon 1634 aus Balog im Komitat Gömör belegt; zu Hause wurden sie am längsten bei den Palóczen in Nordungarn gebacken. Und warum gerade Honig? Laut dem Volkskundelexikon hieß es: So süß wie der Honig soll das Glück dessen sein, der davon isst.

    Mohn und Honig auf dem Fastentisch

    Mohn und Honig sind ein altes Paar der Fastenfeiertage. Die Verwandten der Mohn-Guba – gebackene und dann übergossene, weich gezogene Teigspeisen – hießen je nach Gegend anders: in der Tiefebene Guba, in Transdanubien kőtt mácsik, im Szeklerland und in der Moldau lőnye. Die Palóczen aßen am Fasttag vor Weihnachten ferentő: in Wasser eingeweichte Germteig-Röschen mit Mohn und Honig.

    Die lőnye beschreibt schon ein Kochbuch aus Klausenburg von 1695 als in Honigwasser eingeweichten Teig mit Mohn – im Szeklerland macht man sie zu Weihnachten bis heute. Um 1900 war Honig in der bäuerlichen Küche vor allem eine Festtagszutat, und er kam gerade auf Mohnspeisen und gekochte Teigwaren. Wenn du Lust bekommen hast: Hier ist das Rezept für Mohn-Guba mit Honig.

    Lebkuchen am Christbaum

    Der Christbaum kam in Ungarn in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in adelige und bürgerliche Häuser, bei wohlhabenderen Bauernfamilien in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts. Laut dem Ungarischen Freilichtmuseum in Szentendre herrschte in Bauernhäusern bis Mitte des 20. Jahrhunderts essbarer Schmuck vor: Lebkuchen, Oblaten, Szaloncukor (die ungarischen Christbaumbonbons), Windgebäck und selbst gebackene Kekse. Unter den Lebkuchen fanden sich das Christkind, Maria, die Wiege, Herz, Stern, Mond, Stiefel, Engel, Pferd und Husar – zu Hause gebacken oder am Markt gekauft.

    Der Szaloncukor entwickelte sich aus dem Fondant, der Anfang des 19. Jahrhunderts aufkam; um 1900 begann man, ihn in Fabriken herzustellen. Er hat den Lebkuchen nicht vom Baum verdrängt, sondern kam dazu. Mehr zur Geschichte des Lebkuchens liest du in diesem Beitrag; zum Backen gibt es die weichen Lebkuchen, die Honigbusserl und das Lebkuchenhaus.

    Advent und Neujahr

    Laut dem Ungarischen Katholischen Lexikon aß man in der Tiefebene im Advent beim Läuten zur Rorate Honig, damit die Zunge süß sei, wenn sie Maria grüßt. Auch zu Neujahr war es Brauch, Honig zu essen: Er sollte das Glück des kommenden Jahres bringen.

    Die Weihnacht der Imker

    Am Christtag hielt man mancherorts eine „Honiglese“: Der Hausherr schickte seinen Freunden eine Kostprobe Honig, und sie schickten den Teller mit Weizen gefüllt zurück.

    Die Imker verbanden mit Weihnachten auch viel Aberglauben. Im Komitat Zala hieß es: Nimmt der Imker in der Christnacht einen Haselstecken mit in die Kirche und klopft zu Hause so oft an den Bienenstock, wie er haben möchte, so viele wird er bekommen. Anderswo legte man ein paar Körner des zur Mette mitgenommenen Weizens ins Flugloch oder streute die Brösel vom Heiligabendessen zu den Bienen.

    Wie der Brauch heute weiterleben kann

    Ein paar Ideen, wenn ihr heuer auch mit Honig feiern wollt:

    • Beginnt das Abendessen am Heiligen Abend mit einem Löffel Honig oder einer Honigoblate – der milde Akazienhonig passt dazu besonders gut.
    • Backt gemeinsam ein Lebkuchenhaus oder Honigbusserl und hängt Lebkuchen an den Baum, wie früher.
    • Schenkt Honig – unsere Geschenkideen findest du hier.
    • Eine wichtige Regel: Babys unter einem Jahr darf Honig in keiner Form gegeben werden, auch nicht auf der Oblate. Die ungarische Lebensmittelbehörde Nébih bittet darum unabhängig von der Herkunft des Honigs.

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