Wissen · 4 Min. Lesezeit

    Wie überwintern Bienen? Das Geheimnis der Wintertraube

    Im November wird es still an den Bienenstöcken. Wer jetzt an einem Bienenstand vorbeigeht, könnte meinen, die Bienen halten Winterschlaf – dabei sind sie wach und arbeiten den ganzen Winter daran, dass das Volk bis zum Frühling durchhält. Der Winter ist für ein die größte Prüfung des Jahres.

    Im Herbst wird das Volk kleiner

    Aus einem Sommervolk mit bis zu sechzigtausend Bienen wird bis zum Winter eine viel kleinere Gemeinschaft. Die Drohnen werden im Herbst aus dem vertrieben: Im Winter braucht man sie nicht, sie würden nur die Vorräte aufzehren.

    Im Spätsommer und Herbst werden besondere Bienen aufgezogen, die Winterbienen. Während Sommerbienen als erwachsene Tiere nur wenige Wochen leben, können Winterbienen in kaltem Klima mehr als fünf Monate alt werden – sie bringen das Volk über den Winter. Mehr dazu in unserem Beitrag Das Leben eines Bienenvolks.

    Die Wintertraube: ein lebender Ofen

    Wird es kalt, rücken die Bienen auf den eng um die Königin zusammen. Wärme erzeugen sie, indem sie ihre Flugmuskeln zittern lassen, ohne die Flügel zu bewegen. Die Energie dafür kommt aus dem Honig, den sie im Sommer gesammelt haben.

    Laut einer britischen Studie von 2023 wird das lockere Innere der Traube ohne Brut bis etwa 18 °C warm, die Bienen in der äußeren Schicht haben rund 10 °C – kühlen sie deutlich weiter ab, sterben sie. Beginnt die Königin gegen Ende des Winters wieder zu legen, halten die Bienen die Brut auf rund 35 °C.

    In der Traube wechseln die Bienen ständig ihren Platz. Lange hieß es, die äußere Schicht wärme das Innere wie eine isolierende Decke; dieselbe Studie legt das Gegenteil nahe: Die dicht gedrängten äußeren Bienen leiten eher Wärme ab – die Traube ist also eine Notreaktion auf die Kälte.

    Warum fliegen sie an einem sonnigen Jännertag aus?

    Bienen koten nicht im Stock, sie halten wochenlang zurück. Scheint an einem milderen Wintertag die Sonne, fliegen sie kurz aus, um das draußen zu erledigen – das ist der Reinigungsflug. Er ist ganz natürlich und für die Imkerei ein gutes Zeichen: Das Volk lebt.

    In der Nähe eines Bienenstands können dann kleine gelbliche Tupfen auf Schnee, Wäsche oder Auto landen. Lästig, aber harmlos, und nach ein paar Tagen vorbei.

    Was macht die Imkerei im Winter?

    Im Winter werden die Bienenstöcke nicht geöffnet: Jedes Öffnen kühlt die Traube aus, und das Volk muss mehr Honig verbrauchen, um sich wieder aufzuwärmen. Im Herbst wird geprüft, ob genug Futter da ist und die Stöcke in Ordnung sind; an den Eingang kommt ein Mäusegitter, und der Platz soll windgeschützt und ruhig sein. Im Winter hebt man die Stöcke hinten leicht an und schätzt am Gewicht, ob die Vorräte schwinden.

    Am heikelsten ist das Winterende: Die Brut beginnt, das Volk braucht mehr, aber noch blüht nichts. Bleibt es lange kalt und windig, können die Bienen nicht ausfliegen. Nach dem Winter 2021/22 sind laut dem ungarischen Imkerverband OMME in Ungarn rund 200 000 Bienenvölker eingegangen; die genauen Ursachen kannte der Präsident nicht, er nannte aber das kalte, windige Frühjahr. Mehr über die Arbeit im Jahreslauf liest du in Das Imkerjahr.

    Was kannst du tun?

    Ein paar Dinge, mit denen dein Garten oder deine Umgebung hilft:

    • Im Winter nicht an Bienenstöcke klopfen, nicht daran rütteln und sie nicht öffnen – jede Störung kostet die Bienen Vorräte.
    • Pflanzen setzen, die im zeitigen Frühling blühen: Sie liefern am Winterende das erste frische Futter. Ideen findest du in unserem Beitrag über den bienenfreundlichen Garten.
    • Siehst du an einem milden Tag Bienen fliegen, keine Sorge: Das ist der Reinigungsflug, kein Schwarm.

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