Wissen · 5 Min. Lesezeit

    Bienenfreundlicher Garten und Balkon in Österreich: was vom Frühling bis zum Herbst blüht

    Bienen und andere Bestäuber brauchen keine einzelne Blühwoche, sondern Nahrung ohne Pause, vom zeitigen Frühling bis in den späten Herbst. Ein Garten, ja schon ein Balkon hilft viel, wenn die Pflanzen nacheinander blühen. In Österreich sind 707 Wildbienenarten bekannt, allein in Wien rund 500. Warum sie Hilfe brauchen, liest du in unserem Beitrag Sterben die Bienen wirklich aus?

    Zeitiger Frühling: Palmkatzerl und Zwiebelblumen

    Die ersten Wildbienen und Hummeln fliegen oft schon, wenn kaum etwas blüht – Hummeln sind im Jahr früher unterwegs als Honigbienen. Die wichtigste Nahrungsquelle ist dann die Salweide mit ihren Palmkatzerln, dazu Dirndl (Kornelkirsche) und Schlehe. Im Beet helfen Krokusse, Märzenbecher, Schneeglöckchen, Blaustern, Lungenkraut und Schlüsselblumen. Die Zwiebeln setzt man im Herbst.

    Wichtig: Wild wachsende Frühlingsblumen sind in vielen Bundesländern geschützt – im Burgenland etwa Schneeglöckchen, Märzenbecher, Himmelschlüssel und Maiglöckchen. Ausgraben ist verboten. Kauf Zwiebeln und Pflanzen aus der Gärtnerei.

    Sommer: Kräuter auf dem Balkon

    Im Sommer wird schon ein sonniger Balkon zur Bienenweide. Im Topf gedeihen Thymian, Ysop, Lavendel, Melisse und Borretsch, dazu Ringelblumen, Kornblumen, Kapuzinerkresse und ungefüllte Dahlien. Lass ein paar Stängel der Küchenkräuter verblühen – die Bienen suchen gerade die Blüten.

    Im Garten sind Glockenblumen, Natternkopf, Malven, Wegwarte, Beinwell, Schafgarbe und Klee gute Sommerblüher. Glockenblumen und Natternkopf sind besonders wertvoll: Manche Wildbienen sammeln ihren Pollen nur an ganz bestimmten Pflanzen – fast die Hälfte der nestbauenden Arten ist so spezialisiert.

    Herbst: wenn die Blüten knapp werden

    Im Herbst wird die Nahrung knapp, und jede späte Blüte zählt – Insekten suchen bis in den November. Jetzt blühen Fetthenne, Berg-Aster, Dost, Taubnessel und die letzten Ringelblumen, und von September bis November der Efeu. Von ihm lebt sogar eine eigene Art, die Efeu-Seidenbiene, die auch in Österreich vorkommt. Was im Herbst im Bienenstock passiert, steht im Beitrag über das Imkerjahr.

    Diese Pflanzen lieber nicht

    Manche oft empfohlene „Bienenpflanzen“ breiten sich in Österreich invasiv aus und verdrängen heimische Arten. Einige stehen sogar auf der Unionsliste der EU: Diese Pflanzen dürfen in der ganzen EU weder verkauft noch gepflanzt oder gehalten werden.

    • Auf der EU-Liste, also verboten: Drüsiges Springkraut, Götterbaum, die Gewöhnliche Seidenpflanze (seit 2017) und seit 2025 auch die Staudenknöteriche.
    • Die Seidenpflanze betrifft uns direkt: In Ungarn ist sie weit verbreitet, und aus ihr stammt unser Seidenpflanzenhonig. In den Garten gehört sie trotzdem nicht – auch nicht als Bienenpflanze.
    • Die Robinie ist nicht verboten, gilt beim Naturschutzbund aber als problematischster Neophyt Österreichs, weil sie artenreiche Trockenrasen überwuchert. In Ungarn ist sie ein wichtiger Forstbaum, aus ihren Blüten entsteht unser Akazienhonig. Für den Garten empfiehlt die Universität Wien heimische Alternativen wie Blasenstrauch, Manna-Esche oder Vogelbeere.
    • Kanadische und Späte Goldrute – heimisch ist die Gewöhnliche Goldrute.
    • Sommerflieder: Eine Pflanze kann bis zu drei Millionen Samen bilden. Heimische Alternativen sind Schwarzer Holunder und Berberitze.
    • Vielblättrige Lupine sowie Lanzett- und Neubelgien-Aster – statt ihrer die Berg-Aster.

    Ungefüllte Blüten, Wasser und ein wildes Eck

    Ein paar Kleinigkeiten, die einen Garten wirklich bienenfreundlich machen:

    • Wähl ungefüllte, offene Blüten. In gefüllten Blüten sind die Staubblätter zu Blütenblättern geworden, sie haben keinen und oft auch keinen .
    • Stell eine flache Schale Wasser mit ein paar Steinen auf, damit Bienen sicher landen und trinken können.
    • Lass offene, sonnige Bodenstellen und ein wildes Eck. Der Großteil der Wildbienen nistet im Boden, manche auch in abgestorbenen Brombeer- und Himbeerstängeln – lass sie über den Winter stehen.
    • Mäh später, seltener und in Streifen: Die Aktion „Halbe-halbe Mähen“ von Blühendes Österreich empfiehlt, jeden zweiten Streifen stehen zu lassen und 10–15 cm hoch zu schneiden.
    • Kein Gift in die Blüte. „Natur im Garten“ verzichtet ganz auf chemisch-synthetische Pestizide, Kunstdünger und Torf. Glyphosat hat der Nationalrat 2021 für den Haus- und Kleingartenbereich verboten.

    Und das Insektenhotel?

    Nisthilfen nutzen vor allem Wildbienen, die in Hohlräumen nisten – die meisten Arten brauchen aber offenen Boden. Eine Nisthilfe ist also eine schöne Ergänzung, ersetzt aber weder Blüten noch Boden. Wenn du eine aufhängst, rät „Natur im Garten“:

    • Keine Holzwolle, kein rissiges Holz, keine Zapfen. Gut sind glatte Bohrungen in Hartholz oder Bambusröhrchen mit 2–10 mm Durchmesser.
    • Sonnig und nahe an Blüten aufhängen, mit einem Drahtgitter 5–10 cm davor gegen Vögel.
    • Über den Winter draußen lassen und nicht putzen – darin überwintert schon die nächste Generation.

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