Wissen · 5 Min. Lesezeit

    Was steht auf dem Honigetikett? EU-Regeln und was in Österreich gilt

    Ein Honigetikett sagt mehr, als man denkt – wenn man weiß, worauf man schauen muss. 2026 kam außerdem eine wichtige Neuerung: Bei Honig aus mehreren Ländern ist jetzt genau zu sehen, wie viel woher stammt. Hier das Wichtigste, nach EU-Recht und nach der österreichischen Honigverordnung.

    Neu seit Juni 2026: jedes Land mit Prozent

    Bisher genügte auf Mischungen der Hinweis „Mischung von Honig aus EU-Ländern und Nicht-EU-Ländern“. Das ist vorbei. Nach der EU-Richtlinie 2024/1438 müssen seit 14. Juni 2026 alle Ursprungsländer im Hauptsichtfeld stehen, nach Gewicht absteigend und jeweils mit Prozentanteil; erlaubt ist eine Abweichung von 5 Prozentpunkten. Nur auf Packungen unter 30 g dürfen statt der Ländernamen zweistellige Ländercodes stehen.

    Österreich hat die Regel mit einer Änderung der Honigverordnung umgesetzt (BGBl. II Nr. 50/2026). Die EU hätte erlaubt, bei mehr als vier Ländern nur die vier größten Anteile mit Prozent anzugeben – Österreich hat diese Ausnahme nicht übernommen. Gläser, die vor dem 14. Juni 2026 etikettiert wurden, dürfen noch abverkauft werden.

    Was auf jedem Glas stehen muss

    Auf vorverpacktem Honig sind Pflicht:

    • die Bezeichnung, etwa „Honig“, „Blütenhonig“ oder eine Sorte wie „Akazienhonig“,
    • das Ursprungsland, bei Mischungen alle Länder mit Prozent,
    • Name und Anschrift des Lebensmittelunternehmers, also dessen, der ihn abgefüllt oder in Verkehr gebracht hat,
    • die Nettofüllmenge,
    • das Mindesthaltbarkeitsdatum („mindestens haltbar bis“) – was es bedeutet, liest du im Beitrag Kann Honig verderben?,
    • die Lagerbedingungen und die Losnummer, die entfallen darf, wenn das Datum den genauen Tag angibt.

    Bezeichnungen, die etwas bedeuten

    Manche Wörter auf dem Etikett sind an klare Bedingungen geknüpft:

    • Eine Sorte wie Akazie oder Kastanie darf nur draufstehen, wenn der Honig vollständig oder überwiegend von dieser Pflanze stammt und auch Geschmack, Labor und Mikroskop dazu passen. Mehr dazu im Sortenhonig-Überblick.
    • Eine Region darf nur genannt werden, wenn der Honig zur Gänze aus dieser Region stammt.
    • „Waldhonig“ ist ein erlaubtes anderes Wort für – mehr im Beitrag Waldhonig und Tannenhonig.
    • „Backhonig – nur zum Kochen und Backen“: Dieser Honig ist nicht zum direkten Essen gedacht. Der Hinweis muss neben der Bezeichnung stehen.
    • „“ ist eine übliche Beschreibung, aber kein geschützter Begriff.
    • „Vom Imker“ darf nur stehen, wenn der Honig aus der eigenen Imkerei stammt.

    Wörter, die nicht auf ein Honigglas gehören

    Das Österreichische Lebensmittelbuch nennt auch Bezeichnungen, die nicht verwendet werden sollen: „Imkerhonig“ zum Beispiel, oder „kalt geschleudert“ und „nicht gefiltert“. Auch „Bienenhonig“ ist nicht vorgesehen; für alte Etiketten und Deckel gibt es eine Übergangsfrist bis 30. Juni 2027. „Qualitätshonig“ darf nur ein Honig mit höchstens 18 % Wasser heißen.

    Was hinter den Gütesiegeln steckt

    Das AMA-Gütesiegel für Honig verlangt unter anderem weniger als 19 % Wasser und einen niedrigen HMF-Wert (unter 20 mg/kg) als Zeichen, dass der Honig nicht überhitzt wurde. Bei Sortenhonig wird der Pollen untersucht, jedes Jahr wird auf Rückstände geprüft, und der Honig muss zur Gänze aus der Region stammen, die das Siegel nennt.

    Die Imkerverbände haben eigene, oft noch strengere Regeln. Das Kärntner Honig-Gütesiegel etwa erlaubt höchstens 17,5 % Wasser und verlangt Honig ausschließlich aus Österreich. Das bekannte Honigglas des Österreichischen Imkerbunds gibt es für Mitglieder auf Antrag.

    Direkt vom Imker, am Markt

    Auch Imkerinnen und Imker, die ab Hof oder am Markt verkaufen, brauchen für abgefüllte Gläser das vollständige Etikett. Erleichtert ist nur eines: Eine Nährwerttabelle ist bei Honig aus eigener Erzeugung, der in kleinen Mengen regional verkauft wird, nicht nötig. Der größte Vorteil von steht ohnehin nicht auf dem Etikett: Man kann fragen, wo die Bienenstöcke stehen und wann geschleudert wurde.

    Wie wichtig ein ehrliches Etikett ist, zeigen die Kontrollen: Die AGES hat 2024 in Österreich 318 Honigproben untersucht und 51 beanstandet – am häufigsten, wie in den meisten Jahren, wegen Kennzeichnung und irreführender Aufmachung. Worauf man sonst achten kann, steht im Beitrag Wie erkennt man gefälschten Honig?

    Honig in Zahlen: Österreich

    Laut Statistik Austria wurden in Österreich im Wirtschaftsjahr 2024/25 rund 6.000 Tonnen Honig erzeugt; das deckte 58 % des Verbrauchs. Pro Kopf isst man in Österreich etwa 1,1 kg Honig im Jahr. 2024 gab es laut Landwirtschaftsministerium 36.369 Imkerinnen und Imker mit 480.475 Bienenvölkern. Der Rest des Honigs wird eingeführt – umso wichtiger ist, dass auf dem Glas steht, woher er kommt.

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