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Met: eines der ältesten Getränke der Welt – und was das Wort verrät
Met – auch Honigwein genannt – ist ein Getränk aus vergorenem, mit Wasser verdünntem Honig. Heute ist er eine Rarität, dabei war er jahrhundertelang eines der bekanntesten Getränke Mitteleuropas, auch im Karpatenbecken. Und seine Geschichte hat Spuren in unseren Sprachen hinterlassen.
Ein Wort für Honig und Getränk
Das deutsche Wort Met geht wie das englische mead auf eine indogermanische Wurzel zurück, die „Honig“ und „süßes Getränk“ bedeutete. Aus derselben Wurzel stammen das altindische madhu (süßes Getränk, Met, Honig), das russische mjod (Honig) und das griechische methy, das Wein bedeutet.
Überraschend: Auch das ungarische Wort für Honig, méz, gehört dazu. Es kam in sehr früher Zeit aus einer indogermanischen Sprache in die finno-ugrischen Sprachen, und laut der uralischen etymologischen Datenbank des Ungarischen Instituts für Sprachwissenschaft bedeutete das Grundwort zugleich Honig und aus Honig vergorenes Getränk. Verwandt sind das finnische und estnische mesi – im Finnischen heißt es heute Nektar. Das ungarische Wort für Met ist méhser; sein zweiter Teil, ser, ist eine alte Form von sör, Bier.
Die ältesten Spuren
In Tongefäßen aus dem jungsteinzeitlichen Dorf Jiahu in China wurden Spuren eines vergorenen Getränks aus Reis, Honig und Früchten aus dem 7. Jahrtausend v. Chr. nachgewiesen. Es gehört zu den frühesten bekannten vergorenen Getränken der Menschheit – kein reiner Met, sondern ein Mischgetränk, aber Honig war schon dabei.
Auch in Europa gibt es viele Funde. Im Grab des Mädchens von Egtved in Dänemark, vor rund 3.300 Jahren, lagen in einem Eimer aus Birkenrinde Reste eines mit Honig gesüßten, bierähnlichen Getränks. Im Keltenfürstengrab von Hochdorf in Baden-Württemberg, um 530 v. Chr., wurde der rund 500 Liter fassende Bronzekessel beim Begräbnis mit Met gefüllt.
Medos am Hof Attilas
Der Rhetor Priskos kam 448 als Mitglied einer byzantinischen Gesandtschaft an den Hof Attilas. Er schrieb, dass man ihnen in den Dörfern statt Weizen Hirse und statt Wein ein Getränk gab, das die Einheimischen medos nannten; ihr Gefolge bekam ein Getränk aus Gerste, das kamos hieß. Forschende – darunter der ungarische Turkologe Gyula Németh – deuten medos als Met und kamos als Gerstenbier. Aus welcher Sprache das Wort medos stammt, ist bis heute umstritten.
Der ungarische Met
Laut dem Ungarischen Volkskundelexikon wurde Met aus mit Wasser verdünntem Honig gekocht, mit Muskatnuss, Koriander, manchmal Hopfen gewürzt und dann vergoren. Im mittelalterlichen Ungarn war er sehr beliebt, gehörte zu den Abgaben der Hörigen an den Grundherrn und verbreitete sich laut Forschung mit den deutschen Siedlern.
Zu seinen Herstellern gehörten auch die Lebzelter: Aus dem Wabenhonig, den sie kauften, machten sie Kerzen, Lebkuchen und Met, und verkauften sie auf Märkten und Kirchtagen. Ihre Zünfte entstanden Anfang des 17. Jahrhunderts – mehr zur Geschichte des Lebkuchens in unserem Beitrag Backen und Kochen mit Honig. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde Met allmählich unbeliebter, bis man ihn schließlich nicht mehr herstellte; Kochbücher vom Anfang des 19. Jahrhunderts beschrieben das Brauen zu Hause aber noch.
Polen: wo Met bis heute lebt
In Polen ist Met – polnisch miód pitny, also „Honig zum Trinken“ – bis heute lebendige Tradition. Vier Sorten sind seit 2008 in der Europäischen Union als garantiert traditionelle Spezialitäten geschützt, nach dem Verhältnis von Honig und Wasser: półtorak (1 Teil Honig, ein halber Teil Wasser), dwójniak (1:1), trójniak (1:2) und czwórniak (1:3).
Ist Honigwein Wein?
Rechtlich nicht. Nach EU-Recht darf nur ein Getränk aus frischen Weintrauben oder Traubenmost Wein heißen. Met steht im Zolltarif unter den „anderen gegorenen Getränken“, neben Apfelwein, Birnenmost und Sake. Honigwein ist also ein Alltagsname, keine amtliche Weinkategorie.
Honigmond – mit Met?
Oft liest man, der Honigmond – das alte Wort für die Flitterwochen – habe seinen Namen daher, dass das Brautpaar nach der Hochzeit einen Monat lang Met trank. Dafür gibt es keine verlässliche Quelle. Das englische honeymoon ist seit den 1540er-Jahren belegt und spielt laut etymologischen Wörterbüchern darauf an, dass die erste, süße Zeit der Ehe abnimmt wie der Mond.
Honig gehörte aber tatsächlich zu den Hochzeitsbräuchen: Laut dem Ungarischen Volkskundelexikon kostete das Brautpaar Honig, damit sein Leben so süß werde.
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Begriffe aus dem Glossar
Quellen
- Etymonline – mead
- Uralonet (Ungarisches Institut für Sprachwissenschaft) – méz
- Nyelv és Tudomány – Über Bienen und Honig (ungarisch)
- Nyelv és Tudomány – Woher kommt das Wort sör? (ungarisch)
- McGovern u. a., PNAS (2004) – vergorene Getränke in Jiahu
- Dänisches Nationalmuseum – das Bier des Mädchens von Egtved
- Landesmuseum Württemberg – der Kessel von Hochdorf
- Fragmente des Priskos (Übersetzung J. B. Bury)
- Szabolcs Marton – Priskos und die Getränke der Hunnen (Acta Historica, Szeged; ungarisch)
- Ungarisches Volkskundelexikon – Met (ungarisch)
- Ungarisches Volkskundelexikon – Lebzelter (ungarisch)
- Ungarisches Volkskundelexikon – Honig (ungarisch)
- Verordnung (EG) Nr. 729/2008 – Eintragung der polnischen Metsorten
- Verordnung (EU) Nr. 1308/2013, Anhang VII – Begriffsbestimmung Wein
- Etymonline – honeymoon
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