Wissen · 5 Min. Lesezeit

    Biene oder Wespe? So unterscheidest du sie – und das tust du bei einem Stich

    Im Spätsommer und Herbst summt am Markt, auf der Terrasse oder unter der Weinlaube oft etwas um Obst, Limo oder das Honigbrot. Meistens ist das keine Biene, sondern eine Wespe. Den Unterschied zu kennen lohnt sich: Die beiden verhalten sich anders, und man muss anders handeln, wenn ein Schwarm oder ein Nest in der Nähe ist.

    So erkennst du die Honigbiene

    Die Honigbiene ist gedrungen, dicht behaart, matt bräunlich-orange, ihre Streifen sind weniger scharf. Oft sieht man am Hinterbein ein farbiges . Sie fliegt von Blüte zu Blüte und sammelt Nektar und Pollen – menschliches Essen interessiert sie selten, höchstens Süßes.

    Die bei uns häufigsten Wespen, etwa die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe, sind fast unbehaart, glänzend, kräftig gelb-schwarz gemustert, und ihre „Wespentaille“ ist gut zu sehen. Mit herabhängenden Beinen fliegen nur die Feldwespen, die meisten Wespen legen die Beine an den Körper an – ein sicheres Merkmal ist das also nicht. Die Hornisse ist viel größer, bräunlich-rot und gelb, und fliegt sogar in der Dämmerung und in mondhellen Nächten.

    Warum kommen die Wespen im Herbst?

    Ein Wespenvolk lebt – anders als ein Bienenvolk – nur ein Jahr. Im Frühling und Frühsommer jagen die Arbeiterinnen vor allem Insekten, weil die Larven Eiweiß brauchen. Gegen Ende des Sommers hört das Volk auf zu wachsen, die Wespen brauchen aber viel Zucker: Jetzt tauchen sie beim Fallobst, bei den Mistkübeln, auf Getränkedosen und an den Marktständen auf. Über den Winter stirbt das Volk, nur die jungen, begatteten Königinnen überwintern und gründen im Frühling ein neues Nest.

    Das dagegen bleibt Jahr für Jahr bestehen und übersteht die Kälte in einer dichten Traube – mehr darüber in unserem Beitrag über das Leben eines Bienenvolks.

    Wespen sind übrigens nützlich: Als Räuber fressen sie Blattläuse und Raupen, und laut einer wissenschaftlichen Übersicht von 2021 wurden sie an fast tausend Pflanzenarten beim Blütenbesuch beobachtet.

    Der Stachel: einmal oder mehrmals?

    Der Stachel der Arbeitsbiene hat Widerhaken und bleibt deshalb in der menschlichen Haut stecken. Will die Biene wegfliegen, reißt der Stachel samt Giftblase aus ihr heraus, und die Biene stirbt. Der Stachel der Wespe ist glatt, deshalb kann sie mehrmals stechen.

    Ein in der Haut steckender Bienenstachel gibt noch etwa eine halbe bis eine Minute lang Gift ab, deshalb ist das Wichtigste, ihn so schnell wie möglich zu entfernen. Gesundheitsratgeber empfehlen, ihn mit dem Fingernagel oder der Kante einer Karte seitlich wegzukratzen, nicht mit der Pinzette. Ein kleiner Versuch von 1996 zeigte, dass die Schnelligkeit mehr zählt als die Methode – also keine Pinzette suchen, sondern sofort wegkratzen.

    Wenn du gestochen wurdest

    Die meisten Stiche tun weh, werden rot und schwellen an, vergehen aber in ein paar Tagen. Laut einem Allergologen der Budapester Semmelweis-Universität sind 0,4–0,8 % der Kinder und etwa 3 % der Erwachsenen gegen Bienen- oder Wespengift allergisch – bei ihnen kann schon ein einziger Stich eine schwere Reaktion auslösen. Die ersten Schritte:

    • Hat dich eine Biene gestochen, kratz den Stachel sofort weg.
    • Kühl die Stelle mindestens 20 Minuten lang mit einem kalten, nassen Umschlag oder einem in ein Tuch gewickelten Kühlakku.
    • Ruf sofort die Rettung (144) oder den Euro-Notruf (112), wenn Atemnot, pfeifende Atmung, Schwellung von Lippen, Zunge oder Hals, Schluckbeschwerden, Schwindel, Ohnmacht oder ein Nesselausschlag am ganzen Körper auftreten.
    • Ein Stich in Mund oder Rachen braucht auch ohne Allergie sofort ärztliche Hilfe, weil die Schwellung die Atemwege verschließen kann.
    • Wem eine Ärztin oder ein Arzt einen Adrenalin-Autoinjektor verschrieben hat, sollte ihn immer dabeihaben und bei einem Stich verwenden.

    So vermeidest du Stiche

    Ein paar einfache Regeln:

    • Nicht schlagen, nicht herumfuchteln. Setzt sich eine Wespe auf dich, warte, bis sie wegfliegt, oder streif sie vorsichtig ab.
    • Erschlag keine Wespe in deiner Nähe: Der Duftstoff einer zerdrückten Wespe lockt ihre Artgenossinnen an.
    • Deck im Freien Essen und Getränke ab, und leer Dosengetränke in ein Glas, damit du siehst, was du trinkst.
    • Sammel das Fallobst auf und halt den Mistkübel geschlossen.
    • Lass Nester in Ruhe. Wurdest du in der Nähe eines Nests gestochen, geh rasch weiter weg.

    Wen rufen: Imker oder Schädlingsbekämpfung?

    Einen fängt eine Imkerin oder ein Imker ein; der ruhende Schwarm ist friedlich. Ein Wespennest zu entfernen ist dagegen nicht Sache der Imkerei, sondern der Schädlingsbekämpfung.

    Ein Irrtum zum Schluss:

    • „Drei Hornissenstiche töten einen Menschen.“ Diesen Spruch kennt man in ganz Europa, er stimmt aber nicht: Ein einzelner Stich ist für einen gesunden Menschen nicht gefährlicher als der anderer Wespen. Die echte Gefahr sind Allergie, sehr viele Stiche und Stiche in Mund oder Rachen.

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